Start
Bonsai-Potentialerkennung
Bonsai Seminar: Potentialerkennung bei Rohbonsai
Bonsai-Reiseberichte
Bonsai-Ausstellungen
Bonsai-Workshops
Bonsai-Tagebuch
Orchideen
Wissenswertes





17.10.17 - Sie befinden sich hier: Bonsai-Potentialerkennung / Bonsai Seminar: Potentialerkennung bei Rohbonsai / 

- Theoretisches Basiswissen für ein ziel-orientiertes, praktisches Arbeiten -

Wie erkenne ich das Potential eines Roh-Bonsai?

Welche Eigenschaften machen eine normale Baumschulpflanze zu einem guten "Ausgangsmaterial" für eine ausdrucksstarke Bonsaigestaltung? Und was sind die Kriterien eines erfolgversprechenden Rohbonsai? Wird sich die Mühe, die ich in Gestaltung und Pflege einsetzen will, einmal auszahlen?
Das sind Fragen, die wir in unserem kleinen Marburger Kreis von Bonsai Enthusiasten oft diskutieren.


Walter Pall ist ein weltweit geschätzter Bonsai Gestalter. Er verbindet auf markante und provokante Weise ein immenses Fachwissen über die gärtnerische Pflege von Bäumen mit dem Talent Menschen für Bonsai zu begeistern.

Auf der Suche nach Antworten für diese grundsätzlichen Fragen halfen uns die üblichen Bonsai Workshops nicht viel weiter. Oft setzen diese zu einem Zeitpunkt an, wenn die Auswahl der zu gestaltenden Pflanze schon getroffen ist. Also entwickelte sich die Idee eines Seminars, in dem ein professioneller Bonsai Gestalter die theoretischen Grundlagen der Potentialerkennung anhand von praktischen Pflanzenbeispielen vermittelt.
Doch wer könnte aus seinem reichen Erfahrungsschatz heraus dieses theoretische Thema unterhaltsam rüberbringen?
Und wo findet sich ein solch umfangreicher Fundus mit Bonsai Rohmaterial?
Hier hatten wir die Antwort schnell gefunden: Walter Pall und Käflein Yamadori.


Beide, auf die Idee angesprochen, waren zugleich begeistert. Voraussetzung wäre allerdings, dass wir genug Interessenten für ein solches Seminar finden. Doch diese fanden sich durch einen Aufruf auf dieser Webseite bald ein...

 

 



Wolfgang Käflein erwartet seine Gäste

"Es muss Klick machen..."

Bericht vom 1. Seminar "Potentialerkennung bei Rohbonsai und Baumschulpflanzen" in Neidelsbach im April 2008


Rund vierzig Bonsai-Enthusiasten - vom Hamburger bis zu unseren Schweizern - fanden sich bei zunächst wenig frühlingshafter Witterung im badischen Neidelsbach ein. Der Regen am ersten Tag hinderte keinen der Teilnehmer als erstes einen Gang durch Wolfgang Käfleins Reich zu unternehmen. Hunderte von Prebonsai begrüßten den erstaunten Besucher. Die Fülle an Bäumen machte machte augenscheinlich deutlich, um was es gehen sollte. Was sind die Kriterien für die Auswahl einer auf Jahre Freude und Erfolg versprechenden Pflanze? Mit nicht weniger als diesen großen Erwartungen begann Walter Palls Seminar.




Gutes Nebari?

Theoretische Grundlagen

In einem ersten theoretischen Teil kahm Walter schon gleich zum Kern der Sache. Er entwickelte mit den Teilnehmern eine Checkliste für den prüfenden Blick auf die Pflanze, der die Krone zunächst vernachlässigte und das Hauptaugenmerk auf Aspekte wie Oberflächenwurzel und Stammverlauf richtet. Walter: "Höre auch auf deine Intuition, wenn es nicht gleich "Klick" macht, dann macht es vielleicht nie Klick und du verlierst den Baum wieder aus deinem Blick...".

Anschließend folgte ein Exkurs in gärtnerische Notwendigkeiten und künstlerische Qualitätsmerkmale.

 



Die Bonsai Checkliste im Praxiseinsatz

Im Anschluss an die theoretischen Grundlagen paukte Walter nun an Praxisbeispielen die erarbeitete Checkliste durch.
Auch die vielen von Teilnehmern mitgebrachten Bäume wurden analysiert und mögliche Gestaltungswege mit den jeweiligen Besitzern durchgesprochen. Dabei stellte sich manche neue Perspektive für Besitzer und Baum ein.


Besprechung von Yanniks Wachholder
Spätestens jetzt wird der kleinen Eibe ganz anders zumute





Exkurs: Die Bewertungskriterien des Bonsaiclub Deutschlands (BCD)

Nach den vielen Praxisbeispielen wurde es Zeit für ein Kontrastprogramm. Bekanntlich ist Walter Pall ein vehementer Verfechter "seines naturalistischen Stils", der sich an den Vorgaben der Natur orientiert und die in seinen Augen überkommenen, weil jahrzehntelang unreflektiert abgeschriebene, fernöstliche Bonsai-Weisheiten in Frage stellt. Und so kündigte sich der nächste Programmpunkt schon mit zunehmenden Theaterdonner durch den Meister selbst an: Alfred Heldmann, Bonsai-Bewerter des BCD, berichtete von den standardisierten Bonsai Bewertungskriterien des großen dt. Bonsaiclubs. In einer kurzen anschließenden Diskussion zeigte sich jedoch schnell, dass beide Seiten sich durchaus tolerant gegenüber standen.





Weiter ging es mit Praxis. Walter Pall hat an den zwei Seminartagen rund 80 Pflanzen der unterschiedlichsten Baumarten und Reifegrade analysiert. Negative Eigenschaften der einzelnen Bäume fielen dabei nicht unter den Drehtisch... Auch so manches ausgefallene Exemplar wurden dem Meister durch Wolfgangs Helfer unermüdlich vorgefahren...

Diese Buche reckt und streckt sich jetzt wohl in Marburg





Nun war es Zeit für die Teilnehmer selbst, das Erlernte und Erkannte anzuwenden. Freiwillige vor...





Abgerundet wurde der Bonsai Marathon in Neidelsbach durch eine "Ask The Master" Fragestunde mit Themen wie Giessen, Düngen, Substrate uvam.

Wie am Tage kahm auch Abends der Spaß nicht zu kurz.




Und ging man dann zum Abschluß der Veranstaltung durch Wolfgangs Baumregale, so zeigte sich: Ausbildungsziel erreicht. Walters Checkliste vor Augen taxiert man das Potential einer Pflanze mit neuen Augen.

An dieser Stelle nochmal Danke an alle Teilnehmer, die durch Ihre Anwesenheit und mitgebrachten Bäume das Seminar Realität haben lassen.

Vielen Dank auch an Frau Käflein, die uns rund um die Uhr mit Kaffee, Brezeln und Kuchen versorgte.

Und natürlich an Walter Pall und Wolfgang Käflein für ihren vollen Einsatz von der ersten bis zur letzten Minute....













Gutes Ausgangsmaterial ist die Basis von allem...ein Beispiel:


Für den einen ist dieser Weissdorn nur ein wildes Gestrüpp - der erfahrenen Bonsaianer erkennt darin die Basis für eine ausdrucksvolle Bonsai Gestaltung...


...der gleiche Weissdorn (Crataegus monogyna) nach 5 Jahren Pflege und Gestaltung - auf dem Weg zum ausdrucksstarken Bonsai
(Fotos:W.Pall)